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Muskeln als Portal zu Körper und Geist

von Sebastian // 21 Juni

 Minute/n Lesezeit

Muskeln sind protzig und oberflächlich. Von Anabolika und Proteinpulver aufgeblasen haben sie keine Power, nur heiße Luft und keine Kraft. Gibt es etwas, das ekliger aussieht, als ein eingeölter Bodybuilder?

Der Mann, der Muskelaufbau betreibt, hat ein kleines Ego, einen kleinen Zipfel und kompensiert das über Muskeln und große Gewichte. Um nach außen zu imponieren, neue Partner abzuschleppen und besser anzukommen, als es das Aussehen erlauben würde.

Frauen wirken durch Muskeln männlich und unattraktiv. Nicht nur für die Hormone ist das ungesund. Kraftsport ruiniert die Gelenke und macht den Körper langsam und unbeweglich wie ein Stock. Wer große Muskeln hat, besitzt nur rudimentäre Intelligenz.

Denken viele. In diesem Artikel gebe ich dir eine neue Perspektive zu all diesen Überzeugungen. Denn Muskeln haben das Potenzial, dein Leben reicher und erfüllter zu machen.

Der Wert der Muskulatur geht über die Ästhetik hinaus

Forschung erlaubt uns, die Muskulatur zu begreifen. Wie bei den Ballaststoffen weicht der eindimensionale Blick einem durchdringenden Verständnis: Es ist schon lange kein „Ballast“ mehr, den wir mit pflanzlichen Lebensmitteln zuführen. Sondern Futter für die Darmflora und damit Pfeiler unserer Gesundheit. Auch bei der Muskulatur ist klar: Ihre Aufgabe geht weit über die Ästhetik und „den Arm heben“ hinaus.

Sie stärkt und schützt den Körper über mehrere Pfade. Auch für mentale und geistige Robustheit ist sie bedeutsam – besonders durch die Art und Weise, wie wir sie erlangen. Wenn du dich auf Muskeln einlässt, verändern sie deine Selbstwahrnehmung. Sie haben das Zeug, dein Leben zu bereichern.

Muskeln als komplexes Organ

Den Start macht das Offensichtliche: Muskeln stützen und schützen. Sie unterstützen deinen passiven Bewegungsapparat, all die Bänder, Sehnen, Knorpel und Knochen. Bei einseitiger und starker Belastung stellt sich die Muskulatur schützend vor diese - und nimmt alle Kräfte auf.

Sie verhindert damit Verletzungen, Verschleiß und später Verschleißerkrankungen, wie Arthrose.

Weil sie flexibler ist als andere Bewegungsorgane. Ein Muskelriss heilt beispielsweise deutlich schneller und besser als ein Knorpelschaden oder eine kaputte Sehne.

Muskeln verbessern deinen Stoffwechsel

Die Rolle der Muskulatur geht weit über die einer Stütze hinaus. Die Forschung zeigt: Muskulatur ist ein stoffwechselaktives Organ, das über Botenstoffe mit anderen Organen kommuniziert. So steuert sie Zucker- und Fettstoffwechsel.

Mit dieser Einsicht mausert sie sich zur besten Vorsorge und gleichzeitig besten Behandlung von Übergewicht. Die Muskulatur ist das größte insulinsensitive Organ im Körper.

Muskeltraining macht Muskelzellen noch sensitiver und hilft dir, Zucker besser zu verwerten.

Besonders in Zeiten von kalorischem Überfluss ist das hilfreich. Große Metaanalysen zeigen: Muskelschwund und metabolisches Syndrom - das gemeinsame Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen - hängen zusammen.

Mit Muskulatur gehst du gegen chronische Entzündungen vor

Muskulatur ist parakrin und endokrin aktiv. Das bedeutet, durch Signalstoffe wie Wachstumsfaktoren wirkt sie - parakrin - auf Zellen in der unmittelbaren Umgebung. Zugleich gibt sie Signalstoffe - endokrin - in die Blutbahn ab, die im gesamten Körper wirken. Ähnlich wie Schilddrüse oder Nebenniere.

Als Antwort auf das Training geben Muskeln Myokine in das Blut ab. Diese Proteine beeinflussen die Entstehung von Fettzellen aus Stammzellen. Sie erhöhen den Abbau von Fettgewebe und die Aufnahme von Zucker in die Muskelzellen. Myokine sind Gegenspieler vieler entzündlicher Signalwege.

Deutlich zeigen sich die Folgen von weniger Myokinen bei Sarkopenie, dem übermäßigen Muskelschwund im Alter. Sarkopenie-Patienten zeigen erhöhte Level an proentzündlichen Zytokinen und c-reaktivem Protein, die auf chronische Entzündungsprozesse hinweisen.

Systemische chronische Entzündung begünstigen Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder eine Fettleber.

Auch die Effizienz der Zellkraftwerke, Energie aus Nahrung herzustellen, sinkt. Gleichzeitig nimmt die Entstehung von reaktiven Sauerstoffspezies zu. Ein Kreislauf entsteht, weil die entzündlichen Zytokine den Muskelabbau weiter beschleunigen.

Lebe länger und gesund mit mehr Muskeln

Muskulatur wirkt lebensverlängernd. Und nicht nur das. Sie verlängert auch die sogenannte Gesundheitsspanne - die gesunden Jahre im Leben. Durch die Wirkung auf Entzündungen, die Zellkraftwerke oder das antioxidative Potenzial hält die Muskulatur den Stoffwechsel jung. Nutze Muskulatur, um deine Chancen auf ein langes Leben mit viel Lebensqualität zu erhöhen.

Kraftsport trainiert nicht nur den Körper

Wie du siehst, spielt Muskulatur eine entscheidende Rolle für den Körper. Doch auch Geist, Bewusstsein und Mentalität profitieren von der Reise zu mehr Muskelgewebe. Um merklich Muskulatur zu gewinnen, brauchst du eine Vision und eine Zielsetzung. Nicht umsonst heißt es im Fitnessstudio „work smart, not hard“. Die Planung entscheidet, was nach den Trainingseinheiten hängenbleibt. Und dann ist da noch der Wille.

Dein Wille zur Kraft färbt ins Leben ab

Der Wille zur Kraft und zur Muskulatur ist nicht auf die vier Wände des Fitnessstudios beschränkt. Glaubst du, Disziplin und Durchhaltevermögen auf dem Weg zur Muskulatur bleiben im Fitnessstudio zurück, wenn du nach Hause gehst? Exakt, das tun sie nicht.

Wenn du dein Training durchziehst, auch mit null Bock, beweist du dir, wie standhaft und ausdauernd du bist.

Du erfährst, dass selbst der schlimmste Tag etwas für dich bereithält. Das steckt im Wort Widerstandstraining - du bewegst dich gegen Widerstände und wirst auch mental stärker.

Kraftsport lehrt dich Balance

Mit Kraftsport musst du lernen, was Balance und Konstanz bedeutet. Zu viel Einsatz bedeutet Übertraining und Verletzung. Zu wenig führt zu Stagnation und Rückschritt. So wie das Eisen auf der Stange ist diese Lektion hart und ehrlich. Balance ist in allen Bereichen des Lebens wichtig. Es geht nicht darum, sich in wenigen Wochen komplett zu verausgaben. Wichtig ist Persistenz, Konsistenz und nicht nur an guten Tagen alles zu geben. Sondern auch an schlechten motiviert aufzukreuzen.

Nutze Widerstandstraining für Verbindung und Flow

Muskulatur kannst du spüren - und als Portal zu deinem Körper und deinem Geist nutzen.

Die wiederkehrende Arbeit gegen Widerstände hat etwas Meditatives. Beim Meditieren oder der progressiven Muskelentspannung beobachtest du deinen Körper. Du spürst, nimmst wahr und verbindest dich mit dir selbst. Das ist auch beim Training möglich.

Spüre mehr Freude im Alltag - durch Muskulatur

In den Körper eintauchen und den eigenen Leib deutlicher spüren, das nimmst du mit, vom Training in den Alltag. Und was ist Leben, Lebensfreude und Lebensqualität anderes, als spüren und wahrnehmen?

Durch Training und wiederholte Nutzung deines Körpers nimmst du ihn tiefer und inniger wahr. Das Bein, das deine Hüfte zum Stehen und Gehen hält, erwacht zum Leben. Durch gesteigertes Körperbewusstsein bereitet es dir Freude, allein weil es da ist. Es besteht aus unendlich vielen Empfindungen, die sich auf alle Muskelbündel aufteilen.

Durch das Training steigt die Auflösung deiner Empfindungen immens. Du durchläufst eine ähnliche Evolution wie Bildschirme von den ersten Handys bis zu den heutigen 4K-Geräten.

Du investierst nicht in deine Muskeln, sondern in dich

Es ist egal, was um dich herum geschieht. Welchen Quatsch dein Chef auf dir ablädt, wie ätzend der Berufsverkehr ist oder welches Hindernis der Alltag vor deine Füße spuckt. Das lässt du mit dem Hintergrund verschmelzen. Zentral ist der Einsatz für dich. Das Training ist ein fester Anker der Selbstliebe im Alltag.

Das Zeichen von dir an dich? Du sorgst für dich in schweren Zeiten, du bist dir selbst am wichtigsten, das andere sind Störgeräusche, die vorbeigehen. Das ist kein egoistischer Gedanke. Durch diese Selbstfürsorge befähigst du dich, mit voller Kraft und ganzem Herzen so lange wie möglich für deine Liebsten da zu sein.

Mit Widerstandstraining investierst du in dich - und nicht nur in ästhetische Accessoires, die du anderen Menschen in Form von Bizeps oder Pobacke ins Gesicht springen lässt. Du empowerst dich körperlich und geistig. Damit du heute, morgen und in Zukunft für dich und deine Werte einstehen kannst.



Quellen:

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24404517/


https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29402279/


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4035379/


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4889643/


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493173/


https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7147972/




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